HAZ - 11.06.2010 „Keine Basis“ im Streit um Vereinshaus

Erstellt am 13. Juni 2010


Hildesheim (rei). Zum wiederholten Mal sind Gespräche zwischen Vertretern der Stadt Hildesheim und des Gehörlosen-Sportvereins (GSV) über die weitere Nutzung des GSVVereinshauses gescheitert. Bei der Stadt herrscht inzwischen großer Unmut über die Weigerung des Vereins, einem Tausch des Gebäudes zuzustimmen. Hintergrund ist, dass der rund 800 Mitglieder starke Sportverein DJK Blau-Weiß im vergangenen Jahr seine Sportflächen an der Pappelallee aufgeben musste, weil dort eine Dioxin-Belastung des Bodens festgestellt wurde. Zudem will die Stadt ihre Sportflächen im Rahmen der Haushaltskonsolidierung verringern. Die DJK Blau-Weiß zog daraufhin auf die bis dahin ungenutzte Fläche des GSV um. Weil ihm dort jedoch kein Vereinshaus zur Verfügung steht, leidet die DJK seitdem unter erheblichem Mitgliederschwund. Mehrfach hatte die Stadt dem GSV nahegelegt, das Vereinshaus an der Lucienvörder Allee zugunsten der DJK aufzugeben und dafür ein anderes Gebäude zu nutzen. Dabei zeigten sich die Verantwortlichen des GSV zwar nach Angaben der Stadt stets gesprächsbereit, konkrete Angebote schlugen sie jedoch konsequent aus. Aufgrund bestehender Verträge hat der GSV ein noch 68 Jahre bestehendes Erbbaurecht an der Immobilie. Weil der Gehörlosenverein jedoch ebenfalls in den vergangenen Jahren einen deutlichen Mitgliederrückgang zu verzeichnen hatte und deshalb seit längerem keine Sportarten mehr anbietet, für die ein Sportplatz nötig wäre, hält es die Stadt für zumutbar, dass der Verein an anderer Stelle im Stadtgebiet unterkommt, um dort weiterhin als Treffpunkt für gehörlose Menschen in Stadt und Region zu agieren. So könnte der DJK Blau-Weiß das für ihn so wichtige Vereinshaus mit Umkleiden und Duschen in unmittelbarer Nähe der Sportflächen zur Verfügung gestellt werden. „Die Stadt steht sowohl bei DJK als auch beim GSV im Wort“, beurteilt Frank Wodsack, Vorsitzender des Kreissportsbunds die Situation. „Die DJK braucht eine geeignete Anlage, dazu gehört selbstverständlich auch ein Clubhaus.“ Eine Situation, in der die Sportler sich in den Büschen umziehen müssen, sei auf Dauer untragbar und führe dazu, dass der Verein über kurz oder lang „ausblute“. Andererseits stehe selbstverständlich auch dem GSV ein angemessener Ersatz für das bisherige Clubhaus zu. „Alle Verhandlungspartner müssen aufeinander zugehen.“ Allerdings sieht Wodsack zurzeit vor allem die Gehörlosensportler am Zug. Nachdem der GSV mehrere von der Stadt zur Nutzung vorgeschlagenen freien Gebäude ausgeschlagen hatte, hatten die Stadt zuletzt in Absprache mit dem Verein ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben. Doch auch das brachte keine Einigung. Ein Gutachterausschuss für Grundstückswerte der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften Hameln und des Katasteramtes Hildesheim hatte dazu mit drei qualifizierten Gutachtern das Gebäude mehrfach aufgesucht und analysiert. Ziel war, den Verkehrswert des Objektes an den GSV auszuzahlen. Dieses Ergebnis wurde jetzt im Gespräch zwischen der Stadtverwaltung und dem Vorstand des GSV beraten. Dabei konnte der GSV nach Angaben der Stadt den im Gutachten angegebenen Wert des Vereinshauses nicht akzeptieren. „Wir haben größtes Verständnis für die Interessen des Gehörlosen-Sportvereins, in der Stadt weiterhin ein Haus zur Wahrung der Vereinsinteressen zur Verfügung zu haben. Eigentlich gebietet es die Fairness, dass ein Verein, der keinen Sport mehr treibt, die bisher genutzten
Flächen in diesem ausgeprägten Sportareal für andere Vereine zur Verfügung stellt, die für die Ausübung des Sportes auch diese Flächen benötigen“ so Dirk Schröder, Stadtrat für Jugend, Soziales, Schule, Sport und Kultur nach den Verhandlungen. „Zwischen dem vom Gutachterausschuss ermittelten Wert der Immobilie und dem vom Vorstand des GSV ‚gefühlten Wert‘ liegen etwa 200 000 Euro. Dies ist für uns keine Verhandlungsbasis.“ Auch Wodsack ist der Ansicht, ein unabhängiges Gutachten müsse von Seiten der Gehörlosen als Gesprächsgrundlage
akzeptiert werden. „Sie können sich schon darauf verlassen, dass die Stadt in solchen Dingen seriös arbeitet.“ Es sei „jammerschade“, dass eine einvernehmliche Lösung bisher nicht gefunden werden konnte, doch müsse dieses Ziel unbedingt weiter angestrebt werden. „Und wenn es darauf hinausläuft, dass sich alle Gesprächspartner an den Tisch setzen und so lange verhandeln, bis eine Einigung erreicht ist.“ Die Stadtverwaltung wird jetzt in enger Abstimmung mit den Ratsgremien nach Alternativen für DJK Blau-Weiß suchen, um dem Verein schnellstmöglich wieder ein Vereinshaus zur Verfügung stellen zu können.