HAZ-Bericht vom 11.09.2010

Erstellt am 12. September 2010

 

 

 

Hildesheim (pen). Die DJK Blau-Weiß Hildesheim hat ihr neues Klubhaus. „Endlich“, sagt deren Vorsitzender Roland Lemke. Schon vor mehr als einem Jahr hatte die Stadt Hildesheim die Blau-Weißen von der Pappelallee auf die Anlage an der Lucienvörder Allee umgesiedelt. Freiwillig waren die Sportler damals nicht gegangen. Dort trainieren sie seither und bestreiten ihre Punktspiele. Nur das Vereinsheim konnte die DJK bisher nicht nutzen – das beanspruchte immer noch der früher an der Lucienvörder Allee angesiedelte Gehörlosen SV (GSV). Und der wollte das Haus nicht ohne  weiteres abtreten. „Erst, wenn die Stadt genügend Geld für adäquaten Ersatz zur Verfügung stellt“, hieß es.

Nun sind ich alle Beteiligten einig geworden: die Stadt, der GSV und die DJK. Blau-Weiß bekommt das Klubhaus des GSV – quasi im Tauschgeschäft dürfen die Gehörlosen bis Jahresende das alte DJK-Gebäude an der Pappelallee beziehen.

Ganz reibungslos ging das Ganze aber nicht vonstatten.

Eine zähe Angelegenheit

Die Stimmung rund um den schweren Tisch ist eine Mischung aus Erleichterung und herunter geschlucktem Ärger. Der komplette Vorstand der Blau-Weißen hat sich im neuen Klubhaus versammelt. Erleichtert sind die Herren, da mit dem Einzug ins neue Vereinsheim an der Lucienvörder Allee eine der letzten großen Hürden des Umzugs genommen worden ist.

Die Vorständler sind mittlerweile auf Diplomatie bedacht. Niemand will mehr Porzellan zerschlagen. Zuletzt seien die Verhandlungen mit der Stadt sehr positiv verlaufen. „Dezernent Dirk Schröder hat uns unterstützt und ist uns entgegengekommen“, sagt DJK-Vorsitzender Lemke.

300 000 Euro forderte der Gehörlosen SV von der Stadt, um sich an anderer Stelle ein neues Vereinsheim zu suchen. „Ansonsten wollten sie das Gebäude hier nicht räumen“, sagt Lemke.

Die Stadt reagierte und ließ das Haus an der Lucienvörder Allee von unabhängigen Gutachtern schätzen. Der Wert wurde auf 190 000 Euro beziffert. „Diesen Betrag stellen wir den Gehörlosen auch bereit – mehr aber nicht. Das muss man in Anbetracht der angespannten städtischen Finanzen auch verstehen“, so Sportdezernent Dirk Schröder.

Zu wenig, befand der GSV, der sich weiter quer gestellt hatte. Worauf die Stadt noch einmal alle Beteiligten an einen Tisch berief. „Und sanften Druck ausübte“, so DJK-Vorsitzender Lemke. Es sollte endlich eine Lösung her.

Nun reagierten die Vereine. Vertreter beider Klubs setzten sich zusammen und verhandelten. Heraus kam ein Deal: 300 000 Euro fordert der GSV, aber „nur“ 190 000 Euro will die Stadt bereitstellen. Bleiben also noch 110 000 Euro Differenz. Und die teilen sich die beiden Klubs. Jeder – GSV und DJK – will 55 000 Euro aufbringen.

„Wieder ein finanzieller Kraftakt für uns“, so Axel Schneemann, Kassenwart der Blau-Weißen. Allein kann ihn der Verein nicht bewältigen. Zwar bekommt die DJK einen Zuschuss von der katholischen Kirche (DJK steht für „Deutsche Jugendkraft“ und ist ein katholischer Sportverband) – doch auch das langt nicht. So wird nun ein Vereinsmitglied den Deal retten, indem es einen fünfstelligen Privatkredit aufnimmt. Namentlich genannt werden will diese Person aber nicht. „Wir sind alle froh, dass das jemand für den Klub macht. Nun haben wir das Geld beisammen“, sagt Lemke.

Und wo bleibt der Gehörlosen SV? Er wird vorübergehend in das alte Klubhaus der DJK ziehen. „Mit einer Ausnahmegenehmigung können sie bis Jahresende dort unterkommen – aufgrund der außergewöhnlichen Situation“, sagt Dezernent Dirk Schröder. Denn eigentlich hat die Stadt mit dem Gelände andere Pläne.

Ein fader Beigeschmack bleibt bei den Blau-Weißen. Bis zuletzt war es ein zähes Ringen. Der Umsiedlungsprozess der DJK dauerte von der Planung bis zum Vollzug satte fünf Jahre. In dieser Zeit war die Zukunft des Klubs mitunter ziemlich unklar. „Das alles hat viel zu lang gedauert. Rund 400 Mitglieder haben wir in dieser Zeit verloren. Ich glaube nicht, dass wir das so schnell wieder aufholen“, sagt Lemke.

Mittlerweile ist Leben im neuen Vereinsheim. Klubhauswirtin Anna-Maria Grondkowski hat den Betrieb an der Lucienvörder Allee aufgenommen. „Wir werden uns hier schon einrichten. Ab jetzt schauen wir nur noch nach vorn“, sagt sie. Offiziell soll das neue Zuhause der DJK am 31. Oktober eingeweiht werden – mit Platzweihe und einer Feier. „Bis dahin wollen wir aber zumindest noch die Vorderseite unseres Vereinsheims frisch gestrichen haben“, sagt Kassenwart Schneemann. Nötig hätte es das Haus. Wie gesagt: Es wird nach vorn geschaut.